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Aktion

Impulse zur wohl wichtigsten Episode des Lebens

"Stille Treppe"


HINWEIS: DIESER ARTIKEL WIRD NOCH BEARBEITET, DA ICH IHN DENNOCH FÜR SO WERTVOLL HALTE; ERLEBEN SIE OFFEN, WIE ER WÄCHST!


Was hat ein Beitrag zum Thema Kindererziehung hier auf diesem Blog zu suchen? Nun, ich denke, dass die meisten gravierenden Probleme im Leben von Menschen auf diese prägende Episode zurückzuführen sind. Das ist so wie beim Zuknöpfen einer Jacke: Ist der erste Knopf im falschen Knopfloch, und hat man erst mal eine Weile falsch weitergeknöpft, denn ist ein gewisser Aufwand nötig, damit die Jacke wieder richtig sitzt, wärmt und passt. Egal, ob man Knopf für Knopf richtig zuordnet oder erst einmal die ganze Jacke auf- und dann wieder zuknöpft – da ist ganz hübsch was zu tun…

Was bei dem Jackenbeispiel noch relativ einfach und mit wenigen Handgriffen erledigt ist, kann schon gewaltig schwieriger werden, wenn man ein „falsch zugeknöpftes Leben“ wieder in Ordnung bringen will: Da sind dann manchmal etliche Therapiestunden nötig um zu reparieren, was kaputt gemacht wurde.

Zur besseren Orientierung durch den komplexen Beitrag folgt hier ein Inhaltsverzeichnis mit Sprungmarken (Links) direkt zu den Detailthemen:
 

Navigation im Artikel

  1. Kurz-Zusammenfassung für Schnell-Leser
  2. Aufwachsen im Spannungsfeld von Zugehörigkeit und Autonomie
    1. Kennenlernen statt Formen
    2. Geborgenheit und Urvertrauen
    3. Autonomie, „Freilassen“ und unterstützend-beschützend begleiten
  3. Wenn Zugehörigkeit scheitert
  4. Wenn Autonomiestrebungen unterdrückt werden
  5. Schlussfolgerungen aus den Erkenntnissen
    1. Schlussfolgerungen für die „Erziehung“
    2. Schlussfolgerungen für die Schule
    3. Schlussfolgerungen für „Erwachsene“
    4. Alternative Konzepte zur Begleitung von Kindern
  6. Weblinks und Literaturempfehlungen (inkl. Kurz-Rezensionen)
    1. WIKIPEDIA-Link „Antipädagogik“
    2. Modell „AMICATION“
    3. Blog „Freie Familie“
    4. Alternativschule „Kapriole“
    5. Prof. Dr. Gerald Hüther: „Lernlust statt Schulfrust“
    6. Prof. Dr. Gerald Hüther: Kurzvortrag „Glücksgefühle“
    7. Richard D. Precht: „Der Verrat des Schulsystems an unseren Kindern“
    8. Oliver Heuler: Antipädagogik
    9. Alice Miller: (diverse)
    10. Susan Forward: „Vergiftete Kindheit“
    11. Mike Hellweg: „Das innere Kind retten“
  7. Social-Links (Seite empfehlen/teilen), Kommentare und Diskussion

 

1. Kurz-Zusammenfassung für „Schnell-Leser“:

Wohl niemand wird leugnen: Die wichtigsten Prägungen unserer Persönlichkeit geschehen in unserer Kindheit – manchmal sogar noch vor der Geburt! Mag es noch eine Fügung des Schicksals sein, ob wir als Kind einer armen Mutter in Bangaldesh oder in Düsseldorf-Kaiserswerth als Sproß einer Unternehmerfamilie zur Welt kommen (was beides so seine Licht- und Schattenseiten haben kann), so sorgt die sehr intensive Bindung an unsere Eltern für starke, prägende Weichenstellungen für das spätere Leben – solange diese nicht selbst reflektiert und gegebenenfalls geändert werden.

Sehr gerne nehmen wir dabei all die Impulse mit, die uns stärken: Starke Wurzeln, Geborgenheit, das Gefühl, angenommen zu sein, und als wichtiger Gegenpart die Freiheit, unseren eigenen Weg gehen zu dürfen. Eher fatal wirken sich jedoch die Umkehrungen dieses positiven Ideals aus: Fehlt es an Geborgenheit und Annahme und wird eine gesunde Autonomieentwicklung behindert, so kann das zu „Macken“, Blockaden, heftigsten Ängsten und Einschränkungen führen, die bis hin zu massiven Persönlichkeitsveränderungen (m. E. fälschlich als „Persönlichkeitsstörungen“ bezeichnet, die dann dem oder der „Gestörten“ zugeschrieben werden, ohne zu fragen, wer oder was denn da eine gesunde Entwicklung ge- oder gar verstört hat…) unaufgelöst ein Leben lang andauern und zu unendlichem Leiden in Gestalt seelischer und/oder körperlichen Symptomen führen können. Der gesunde Entwicklungsweg von der „Kind-GmbH“ (Geschöpf(e) mit beschränktem Handlungsspielraum) zur „Ich-AG“, die aus eigenen Werten heraus selbstbestimmt und frei von Fremdwertprägungen handeln könnte, misslingt.

In diesem umfangreichen Beitrag finden Sie Impulse, wie es gelingen kann, derartige Irrwege gleich von vorneherein zu vermeiden oder – wenn sie denn schon mehr oder weniger leiderzeugend eingetreten sind – wieder zu „reparieren“. Außerdem empfehle ich Ihnen ausdrücklich wie eindringlich die Beiträge und Links zu den Autoren Alice Miller und Susan Forward, Jay Earley und Franz Ruppert.

Besonders wertvoll ist dieser Beitrag für all jene, die selbst misshandelt, seelisch verstört oder anderweitig traumatisiert nun dieses nicht an ihre eigenen Kinder weitergeben wollen, denn die Erfahrung zeigt, dass alle „Täter-Eltern“ ehemals „Kinder-Opfer“ waren, die an der Aufgabe gescheitert sind, sich durch Selbstreflexion oder Therapie von den Folgen ihrer eigenen Kindheit zu befreien, was sich unter anderem in der weiterbestehenden Identifikation mit früheren Aggressoren äußert („Das Schlagen meines Vaters hat mir letztlich doch gut getan, also fass ich auch euch jetzt hart an!“)

 

2. Aufwachsen im Spannungsfeld von Zugehörigkeit und Autonomie

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2.1 Kennenlernen statt Formen

Nicht erst heuzutage ist es von Elternseite üblich, und wird als vollkommen „normal“ angenommen, dass Kinder als eine Art „Knetmasse“ anzusehen seien, die durch die – mal härtere, mal weichere – Hand der Eltern erst zu „richtigen Menschen“ heranzuformen sind. Da werden allerhand Werte in sie hineingestopft, kulturelle („Sitz gerade, man isst mit Messer und Gabel, sei schön artig, gib Oma einen Kuss, …!“), religiöse und sonstige gesellschaftliche Werte. Auch ist zu beobachten, dass erwünschtes Verhalten, gelobt und unerwünschtes Verhalten bestraft wird – oft mithilfe emotionaler Erpressung („Wenn du dies oder das nicht oder doch tust, dann ist Mami traurig!“ – Liebesentzug, wobei man sich fragen könnte, was das denn für eine „Liebe“ ist, die derartige lebensfeindliche Bedingungen setzt…) oder versteckter bis offener Gewalt (Androhung und/oder Ausführung von Verboten bis zu seelischer (verbaler) und körperlicher Züchtigung und Gewalt, um diese ge- und Verbote kraft der faktisch überlegenen Elternmacht durchzusetzen). Was dabei herauskommt, können wir ebenso betrachten:

  • Entweder angepasste Konsumenten, die ähnlich wie ihre Erzeuger ihre Träume früher oder später „realistischeren Aussichten“ opfern, brave Konsumenten und unauffällige Menschen sind, die ein eher graues Leben führen – ein- bis zwei mal unterbrochen von Karneval (Da darf man mal so manches rauslassen, was sonst als verboten gilt), Urlaub und dem zweifelhaften „Trost“ mit der bunten Welt des Konsums vonm neuesten Smartphone bis zum schicken (geleasten) Auto.
  • Oder es entstehen „Sonderlinge“, Unangepasste, die entweder außerordentlich nach ihrer Facon glücklich werden – oder in Angst, Depression, Burnout oder anderen Phänomenen bis zur Obdachlosigkeit scheitern, weil sie den Widerspruch zwischen äußeren Erwartungen und dem eigenem Selbst aus Angst vor dem existenzbedrohenden Liebesverlust oder der Vernichtung, die in der Kindheit bei offenem Ausdruck eigener, autonomer Strebungen drohten, nicht aufgelöst bekommen, und sich (noch) nicht von Introjekten (Übernommenen Fremdwerten) und Überlebensmustern quasi als eine Art „2. Entbindung“ gelöst haben
  • Im Extremfall entlädt sich der unaushaltbar scheinende Druck in Aggression nach außen (Amoklauf, Flucht in extremistische Ideale wirtschaftlicher oder auch religiöser Natur oder er entlädt sich als Implosion in Depression und Suizid (Sozusagen als „Amoklauf nach innen“).

Wie anders wäre es, wenn man Kinder – entgegen der oben skizzierten Haltung – mit einer Art neugieriger Spannung begegnen würde: Was kommt da für ein Mensch in mein Leben? Was bringen er oder sie an charakterlichen Eigenschaften, Talenten, etc. schon mit? Wie könnte man diesem Kind einerseits Schutz geben, starke Wurzeln und andererseits – je nach persönlichen Mitteln (nicht jeder hat den finanziellen Background einem sich zeigenden Konzertpianisten-Star die notwendige Ausbildung zu finanzieren) die Möglichkeit zur Entfaltung seiner Talente zu geben, bzw. diesen nicht aus eigenen, unhinterfragten Motiven im Weg zu stehen?

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2.2 Geborgenheit und Urvertrauen

Welchen Einfluss das Bindungsverhalten auf das spätere Leben haben kann (wenn destruktive Einflüsse nicht durch eigene Aktivität neutralisiert wurden), zeigt der Ausschnitt aus diesem beeindruckenden Video (In Sendung „Ansichten eines Amokläufers“, ausgestrahlt auf 3sat am 16.01.2014)). 10 Minuten, die sich lohnen!

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(Bitte entschuldigen Sie die reduzierte Bildqualität!)

Anmerken möchte mich noch nachfolgendes: Eine Strategie, mit unerträglichen Zuständen in Kinder- und Jugendtagen „zurecht“ zu kommen, ist die im Film thematisierte Wendung der Aggression nach außen. Weit häufiger weil gesellschaftlich weniger geächtet erfolgt jedoch die Wendung der – ursprünglich konstruktiven – Aggression (sozusagen als „inneren Amoklauf“), die ja „nur“ einen unhaltbaren Zustand auf Grund unbefriedigter menschlicher Grundbedürfnisse beheben wollte, nach innen, und tritt dann in Form von Angst, Panik und Depression in Erscheinung. Oft werden dann jene „behandelt“, die darunter leiden. Der Blick auf die pathogenen (leiderzeugenden) Umstände unterbleibt dabei allzu oft. Für die Betroffenen gilt es, gesunde Wesenskerne und Selbstanteile zu beschützen und die verletzten Teile zu heilen – ein manchmal lebenslanger Prozess…

Gleichfalls bin ich nicht mit der Aussage des Films einverstanden, nach dem die Pubertät der entscheidendste, am intensivsten prägende Lebensabschnitt sei. Hier schließe ich mich der Ansicht des dänischen Pädagogen Jesper Juul an, nachdem in der Pubertät nur das zum Vorschein kommt, was an Beziehung vorher bereits kaputt gegangen ist. Klar, auch diese Entwicklungsstufe ist durch den Charakter der Neuorientierung und seelisch-körperlichen Umstrukturierung eine besonders empfindliche – ist jedoch die Grundlage einer geborgenheitsstiftenden Beziehung zu den Eltern vorhanden, zeigt sich in der Praxis, dass diese Phase wesentlich leichter und harmonischer gelingt (es sei denn, die Eltern hätten sich zwischenzeitlich von ihrer grundsätzlichen zugewandten Haltung entfernt).

Das "Harlow´ssche-Rhesusaffen-Experiment“

Da sich Experimente an Menschen aus ethischen Gründen selbstverständlich von selbst verbieten (obwohl das, was seit Jahren mit Kindern eher einem unmenschlichen Experiment gleichkommt…) kam der US-Psychologe Harry Harlow in den 1950er Jahren auf die Idee, die Ursachen und Folgen missglückter Bindung an Rhesusaffen zu erforschen, mir denen uns als Menschen sowohl genetisch wie sozial vieles verbindet. So viel zumindest, dass Quer- und Rückschlüsse auf menschliches Verhalten als zulässig gelten können.

Der Stand der "Wissenschaft“ seinerzeit

Seinerzeit herrschte bei vielen Menschen – Laien wie "sogenannten Fachleuten“ also auch Psychologen und Medizinern – die Meinung vor, dass ein Kleinkind nur über sehr eingeschränkte psychische Fähigkeiten verfüge und zum Beispiel kaum Gefühle habe, keinen Schmerz empfinden oder Erinnerungen speichern könne. Dieser Irrglaube ging so weit, dass selbst Operationen ohne Narkose vorgenommen wurden.

Man behauptete, zu wissen (und vertrat das mit dem in diesen Berufen oft zu beobachtbaren Anspruch auf letztendliche Wahrheit), dass all diese Eigenschaften und Fähigkeiten sich erst als Folge der Sprachentwicklung, die etwa um das Ende des ersten Lebensjahres einsetzt, entwickeln würden. Diesem Denkmodell zufolge sei es vor allem wichtig, dass ein Baby im ersten Lebensjahr körperlich versorgt wird, kurz: Zu Trinken und etwas zu Essen bekommt und regelmäßig gewickelt wird. In den Krankenhäusern war und ist es auch heutzutage noch üblich, die Kinder sofort nach der Geburt von den Müttern zu trennen und sie ihnen fünfmal am Tag zum Stillen anzureichen (Siehe die bekannten Bilder von Kinderstationen, wo Bettchen neben Bettchen die Kleinen isoliert nebeneinander liegen – ohne Körperkontakt!). Verbreitet herrschte auch die Ansicht vor, die auch heute noch von empathilosen "Experten“ vertreten wird, man müsse ein Kind schreien lassen, damit es seine "Lungen stärke“: Mütter würden ihre Babys zu sehr verwöhnten, wenn sie sie zu viel mit sich herumtragen und sich zu viel mit ihnen abgeben. In diesem Sinn werden die Mütter auch angeleitet, was den Umgang mit ihren Kindern anbelangt.

Zur Versuchsanordnung

Harlow und seine Assistenten trennte die Äffchen unmittelbar nach der Geburt von ihren Müttern. Als "Ersatz“ bekamen sie eine Milch spendende "Drahtmutter“ – eine Art Drahtgestell mit einer Milchflasche – und alternativ eine "Handtuchmutter“, ein mit Frottee-Stoff überzogenes Drahtgestell, das darüber hinaus einen gesichtsähnlichen Kopf hatte.

Das Forscherteam wollte nun herausfinden, ob es eine Beziehung zwischen dem Verlust bzw. Störung der Mutter(-Bindung) in der frühen Kindheit und der später zu beobachtenden Erwachsenenpersönlichkeit gibt. Dazu untersucht er das Verhalten von erwachsenen Rhesus-Affen, die in mehreren Gruppen aufgewachsenen waren:

  • Die Rhesus-Affen der Kontrollgruppe 1 sind bei ihren natürlichen Müttern in gesunder – auch und gerade enger, körperlicher – Bindung aufgewachsen.
  • ie Rhesus-Affen der Untersuchungsgruppe 1 (UG1) wurden sofort nach der Geburt von ihren Müttern getrennt und von einer Assistentin regelmäßig gefüttert. Sonst hatten sie keinerlei "Sozialkontakte“
  • Die Rhesus-Affen der Untersuchungsgruppe 2 (UG2) hatten ausschließlich eine "Drahtmutter“ zur Verfügung, bei der sie trinken konnten.
  • Die Rhesus-Affen der Untersuchungsgruppe 3 (UG3) hatten eine futterspendende "Drahtmutter“ und eine "Handtuchmutter“ (die keinerlei Futter spendet, aber mit einem gesichtsähnlichen Kopf und einem Mantel aus weichem Frottee ausgestattet war, an dem die Jungtiere sich festkrallen konnten) zur Verfügung.

Harlow beobachtete nun das Verhalten der Rhesusäffchen und stellt fest, dass diese sich fast ausschließlich bei der "Handtuchmutter“ aufhalten und nur zum Trinken zur "Drahtmutter“ wechselten. Damit bewies er, dass der reine Körperkontakt für Rhesusaffen-Babys zumindest gleich wichtig, wenn nicht wichtiger als die körperliche Ernährung ist. (Im YouTube-Film sieht man eine kurze filmische Dokumentation des Experiments. Außerdem erklärt Harlow (in englischer aber wohl leicht verständlicher Sprache), wie er das Verhalten des Babys deutet.)

Die Auswertung und Schlussfolgerungen

Als Ergebnis wurden folgende Beobachtungen protokolliert und interessante Schlussfolgerungen gezogen:

  • Die Rhesus-Affen, die weder "Draht"- noch "Handtuchmutter" zur Verfügung hatten und diejenigen, die ausschließlich eine "Drahtmutter" zur Verfügung hatten, zeigten schon als Babys schwere Verhaltensstörungen. Sie reagierten auf jegliche – auch positve – Außenreize schon nach kurzer Zeit nicht mehr, und verarmten emotional nahezu völlig. Sie tendierten zu monotonen, starren Bewegungen. Sie sitzen nur noch apathisch in einer Ecke ihres Käfigs. Sie reagierten nicht mehr auf Versuche, eine Kommunikation mit ihnen anzuknüpfen.
  • Die Gruppe der Rhesus-Äffchen, denen sowohl "Drahtmutter" als auch die "Handtuchmutter" zur Verfügung standen, hielten sich ausschließlich bei der "Handtuchmutter" auf. Sie zegten bei jeglichem Stress sowoft ein Fluchtverhalten zur "Handtuchmutter" und klammerten sich an ihr fest. Sie zeigten nach einer bestimmten Zeit, wenn sie bei der "Handtuchmutter" einen gewissen – wenn auch zwispältigen, kompromissbehafteten – "Schutz gefunden haben“, wieder ein eher gesundes Neugier- und Entdeckungsverhalten (Explorationsverhalten). Gleichfalls Sie suchten auch zu anderen Lebewesen kommunikativen Kontakt, und reagierten auf Kontaktangebote von Außen.
  • Die Äffchen aus allen Untersuchungsgruppen zeigten als erwachsene Affen in ihren Sozialbezügen auffallende Verhaltensstörungen. Wesentlich stärker sind diese aber bei den Affen aus der Untersuchungsgruppe 1 2. Besonders auffällig erschien, dass Rhesus-Affen aus den Untersuchungsgruppen 1 und 2 starke Verhaltensstörungen im Umgang mit anderen Rhesus-Affen zeigten. Entweder reagierten sie mit Aggressionen (nach außen gewandte Frustration, ähnlich den Amokläufen bei Menschen) oder mit
    extremen Rückzugstendenzen, wenn sie mit anderen Affen zusammenkammen (vergleichbar der nach innen gerichteten Frustrations-Aggression wie bei sogen. Angststörungen, Depression bis hin zum Suizid).
    Auch das Beziehungs- und Paarungsverhalten erwies sich als gestört. Am dramatischsten aber wurde eingeschätzt, dass weibliche Rhesus-Affen später, wenn sie selbst Mütter geworden waren, ihre eigenen Babys nicht oder allenfalls distanziert versorgten, oder ihnen gegenüber sogar mit Aggressivität und Gewalt begegneten – auch hier finden wir Parallelen zum menschlichen Verhalten (entstanden aus der Notfall-Identifikation mit Aggressoren in einer abhängigen Bindungssituation als suboptimales Traumbewältigungsverfahren sowie einer Abspaltung eigener, natürlicher Empathie ("Mir haben die Schläge auch nicht geschadet!“).

Heutzutage sind jeden Tag an vielen Orten, in vielen Institutionen unzählige Menschen damit beschäftigt, die Traumata – oder deutlicher: Die Verstörungen, denen sie in Kindertagen ausgeliefert waren, zu überwinden…


Das „Still-Face-Experiment“

Wie weitgehend die Folgen selbst geringster Beeinträchtigungen dieser Bindung in jungen Jahren haben kann, zeigt folgendes Experiment (Denken Sie vielleicht einmal darüber nach, was in Seelen von Menschen geschieht, wenn dieses „Experiment“ nicht nach Sekunden wieder beendet wird, sondern Tage, Wochen, Monate, Jahre und Jahrzehnte andauert…).


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2.3 Autonomie, „Freilassen“ und unterstützend-beschützend begleiten

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5. Schlussfolgerungen aus den Erkenntnissen

Kontakt zu Instinkten, Erkennen von offenem und verstecktem Leiden, und schließlich die Frage: „Wie will ich es tun, wofür kann ich die Verantwortung übernehmen?“

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5.1 Schlussfolgerungen für die „Erziehung“

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5.2 Schlussfolgerungen für die Schule

Ich selbst habe die Schulzeit einigermaßen gut „überlebt“ – aufgrund des Talentes, auch langweiligsten Lernstoff mit der Methode „Nürnberger Trichter“ leicht aufzunehmen und zum geforderten Zeitpunkt (Tests, Klassenarbeiten, Klausuren) wiedergeben zu können, ein Talent, auf das ich nicht stolz sein kann, weil es sich eben um eine Talent und keine erlernte oder erarbeitete Fähigkeit handelt. Schon früh habe ich meine dadurch entstehenden Freiräume für die Unterstützung anderer Mitschüler genutzt, denen es an diesem Talent mangelte (Schülervertrateung, später ASTA). Dennoch habe ich schon damals das sichere Gespür gehabt: „Hier stimmt etwas Grundsätzliches nicht!“, und habe mich für alternative Schulformen von Summerhill, Waldorf, Freie Schule Bochum bis zur Laborschule Bielefeld & Co. intensiv interessiert.

Damals wie auch vielfach noch heute wurden und werden diese Alternativen entweder verlacht oder in rabulistischer Meisterschaft verhöhnt („Ach, du kannst also auch deinen Namen tanzen – na, viel Spass beim Scheitern im harten Berufsalltag später…!“).

Weiter unten sehen Sie an beeindruckenden Beispielen, dass es eben doch geht, dass „andere“ Schulformen nicht zwingend Gesellschaftsversager (was immer das auch sei) produzieren, sondern selbstbewusste, aufrechte Menschen, die selbstbestimmt ihr Leben meistern. Auch wenn sich viele Menschen, die heute in der Institution Schule beteiligt sind, häufig aus einem Gefühl des Angegriffen-Seins gegen Alternativen wehren („Ja, glauben Sie denn, wir seien schlechte Lehrer? Wir tun doch auch nur unser bestes, aber mit den Jahren sind wir einfach realistisch geworden…“). Ich selbst durfte in zahlreichen Beispielen erleben, wie und das es „anders“ geht. Möge Sie das ermutigen, es innnerhalb Ihres eigenen Handlungsspielraumes ebenso zu versuchen – zur Not durch Heimbeschulung! Vielleicht ist dieser Handlungsspielraum größer, als Sie bisher dachten…

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5.3 Schlussfolgerungen für „Erwachsene“

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5.4 Alternative Konzepte zur Begleitung von Kindern

Fast immer – zuletzt am vergangenen Sonntag – begegnet mir, wenn ich derartige Thesen äußere, eine Mischung aus Abwehr (die anwesenden Pädagogen sagen“ So geht das doch nicht!“), Angriff („Woher nimmest du eigentlich diese Weisheiten, du hast doch gar keine (eigenen) Kinder!“) bis hin zu offenem Hass und Häme („Träum du mal weiter, hör zu: Im Leben gibt es nur eines: Erwerbe Macht und nutze sie zu deinem Vorteil! Alles andere ist Waldorf-Schwachsinn! Apropos: Kannst du eigentlich auch deinen Namen tanzen?“).

Nun, ich pflege dann zu antworten: „Ja, ich habe keine eigenen Kinder, aber meine Kompetenz, über diese – anscheinend heißen – Themen zu sprechen, leite ich aus drei Tatsachen ab:

  1. Ich war selbst mal Kind, und dazu ein äußerst wacher Beobachter!
  2. Ich habe mit unzähligen Kindern und Jugendlichen gearbeitet und erlebt, welche Aktion, welcher Umgang mit diesen teilweise extrem verstörten Menschen wie ankommt!
  3. Ich habe einen guten Zugang zu meiner Intuition und sehr viel darüber gelesen, und nehme mir das Recht, meine eigene Sichtweise zu haben und zu vertreten. Warum – wenn doch „euer“ Erziehungssystem so toll ist, haben wir es mit immer mehr Kindern zu tun, die regelrechte Angst vor KIndergarten und Schule haben? Woher kommt diese immer brutalere Gewalt und die Abnahme von Empathie? Und schauen wir nur in die Gesichter der „Endprodukte“, der sogenannten Erwachsenen: Warum soviel Burnout, warum soviel Angst, Panik und Depression? Warum dieses sich nahezu totschinden in Jobs, die keinen Spaß machen um „gesellschaftlich mithalten“ zu können (Mein Auto, Mein Haus, etc.)?

Das es anders, das es besser , angstfreier, gewaltfreier oder – positiv ausgedrückt – mit mehr Lebensfreude und mehr Lebensqualität geht, das zeigen die Beispiele unten! Und für die „realistischen Romantiker“ unter uns, seien noch diese zwei Zitat angefügt („You may say, i´m a dreamer, but i´m not the only one!“):

Hermann Hesse: Stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

John Lennon: Imagine

Imagine there’s no heaven
It’s easy if you try
No hell below us
Above us only sky

Imagine all the people
Living for today
Aha-ahh

Imagine there’s no countries
It isn’t hard to do
Nothing to kill or die for
And no religion too

Imagine all the people
Living life in peace
Yoohoo-Ooh

You may say I’m a dreamer
But I’m not the only one
I hope someday you’ll join us
And the world will be as one

Imagine no possessions
I wonder if you can
No need for greed or hunger
A brotherhood of man

Imagine all the people
Sharing all the world
Yoohoo-Ooh

You may say I’m a dreamer
But I’m not the only one
I hope someday you’ll join us
And the world will live as one

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6. Externe Links, Materialien, Gedanken und Beispiele

Unmöglich! Das gibt es doch gar nicht! Das kann doch gar nicht funktionieren? Sehen Sie hier einige Beispiele, Statements und Literaturhinweise, die zeigen, dass unser Kopf rund ist, damit zuerst das Denken (und später das Handeln) die Richtung ändern kann…

 

6.1 WIKIPEDIA-Link

Manchmal gibt die Online-Enzyklopädie WIKIPEDIA einen ganz guten Überblick über ein Thema – je nachdem, mit welcher Qualität der Beitrag erstellt wurde. Der Artikel zum Stichwort „Antipädagogik“ ist da m. E. ganz gut geraten, schauen Sie selbst:
Link zum Artikel „Antipädagogik“ auf WIKIPEDIA

 

6.2 Modell „AMICATION“

Bei pädagogischen Konzepten gibt es immer mal wieder ein recht extremes Hin und Her zwischen extremen Ansätzen. Die Folgen der überstrengen, wilhelminisch geprägten „Erziehung“ zur Unterwürfigkeit pendelte Ende der 1960er Jahre ins Gegenextrem des antiautoritäten Gegenpols – mit Resultaten, die auf andere Weise verhängnisvoll waren. Derartige Schwankungen sind normal und bei allerhand Entwicklungen zu beobachten, manchmal braucht es scheinbar extreme Auslenkungen, um irgendwann, früher oder später in eine Art „Goldene Mitte“ einzuschwingen. Wobei in Sachen Umgang mit Kindern hier nicht die Mitte zwischen Unterjochung und totalem laissez faire gemeint ist, sondern eher etwas Neues, das aus den Extremen entstehen kann.

Genau solch einen Ansatz schlägt der Vertreter der Richtung vor, die sich „Amication“ nennt, Hubertus von Schoenrock. Diese Philosophie hier darzustellen würde den Raum sprengen, aber das ist auch gar nicht nötig: Die Urheber dieser Idee haben auf ihrer Seite umfassend Materialien zusammengestellt, dort findet sich auch eine ganze CD mit vielen praktischen Beispielen, die kostenlos hier heruntergeladen werden kann.

Meine Einschätzung: Ein guter Ansatz, der jedoch von Eltern und Menschen, die mit Kindern umgehen, fordert, sich intensiv mit sich selbst auseinanderzusetzen. Positiv: Hier werden keine neuen Dogmen von „falsch“ oder „richtig“ mit erhobenem Zeigefinger vermittelt, viel mehr wird das Bewusstsein für die eigene Achtsamkeit Verantwortung geschärft („Wie wollen Sie selbst wirklich mit Kindern umgehen? Mit welchem Ergebnis Ihrer „pädagogischen Interventionen“ können Sie wirklich leben? Wie kann man mit Kindern leben, ohne ihnen die Würde zu nehmen?). (Link zur Seite „AMICATION“)

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6.3 Blog „Freie Familie“

„Sich selbst informieren und eigene Entscheidungen treffen, unabhängig von der allgemeinen Gesellschaftsmeinung – auf das innere Bauchgefühl hören. Was tut uns Eltern gut, was tut unseren Kinder gut, was tut uns als Familie gut? Darum geht es hier. Funktionieren, oder frei sein und das Leben genießen? Wir streben Zweiteres an! Sich auf den Weg machen zu einem besser „Wir“…. selbst die Verantwortung für das eigene Leben übernehmen, sich nicht anpassen, sich von gesellschaftlichen Zwängen befreien… Die Kinder Beschützen, Verwöhnen, und bedingungslos Lieben! Beziehung statt Erziehung! Vertrauen haben! Aneinander wachsen…. “ – mit diesem Profil stellt sich der Ansatz selbst auf seiner (privaten) Internetseite vor. Wobei dies eigentlich kein Ansatz ist sondern eher ein empfehlenswerter Blog. Meine Einschätzung: Reinschauen lohnt sich, obwohl die Seite noch jung ist… Link zur Seite „Freie Familie“

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6.4 Alternative Schulkonzepte

Schon während meiner eigenen Schulzeit habe ich an dem weit verbreiteten tapischen Schulsystem gezweifelt. Mein „Nürnberger Trichter“ hat es mir erleichtert, die schon seinerzeit geforderte „Wissens-Bullimie“ (Aufnehmen > bei Test/Klassenarbeit wieder „von sich geben“ > vergessen) zu bedienen: Die Noten waren stets gut bis sehr gut. Das hat mir einen Freiraum verschafft, den ich dazu genutzt habe, einerseits Mitschüler zu unterstützen (SV), die nicht so leicht mit dem System klar gekommen sind, andererseits habe ich mich schon in jungen Jahren für Alternativen (Freie Schule Bochum, Laborschule Bielefeld, etc.) interessiert. Es freut mich, dass an vielen Orten Aktive es nicht beim Denken belassen haben, und spannende Projekte auch gegen erhebliche Widerstände leben. Hier einige Beispiele, wie es anders, wie es besser geht:

Demokratische Schule „Kapriole“ (Freiburg)

Für Skeptiker, die glauben, dass nur mit herkömmlicher Beschulung aufrechte, erfolgreiche und selbstbewusste Kinder zu „erzeugen“ sein, empfehle ich diese Videos. Der Haken daran ist, dass die Ergebnisse dieser Schulform Manchem vielleicht gar zu selbstbewusst daherkommen – was auf fatale Weise verrät, was die wahren Motive klassischer Schulen sind (marktgerechte, angepasste, obrigkeitsgläubige und konsumfreundliche Verbraucher)…

Hier geht es zum Kurzportrait der demokratischen Schule „Kapriole“…





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Prof. Dr. Gerald Hüther: „Lernlust statt Schulfrust“



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Prof. Dr. Gerald Hüther: Kurzvortrag „Glücksgefühle“



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Richard David Precht: „Der Verrat des Schulsystems an unseren Kindern“



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6.5 Oliver Heuler: Statement zum Thema Antipädagogik

Ich kenne und schätze Oliver Heuler – zunächst als sympathischen Menschen, außergewöhnlichen Golftrainer, Fan der gewaltfreien Kommunikation (nach Marshall Rosenberg) – und nicht zuletzt als lebendiger Vertreter der Antipädagogik. Außerdem liebe ich seinen ganz besonderen Humor (man beachte die „Werbeunterbrechnungen“ in den Videos)… In diesen Videos stellt er seine Gedanken vor. Da der zweite Teil von YOUTUBE blockiert wird, habe ich ihn – bearbeitet – selbst eingestellt, um Ihnen die wertvollen Inhalte anbieten zu können. Bitte entschuldigen Sie die schlechtere Auflösung! Hier der Link zu seiner Seite.

Teil 1


Teil 2

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Teil 3


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6.6 Alice Miller (diverse)

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6.7 Susan Forward „Vergiftete Kindheit

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6.8 Mike Hellweg „Das innere Kind retten“

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